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Wie komme ich aus einer Bürgschaft raus?

Wie komme ich aus einer Bürgschaft raus?

Eine Bürgschaft zu kündigen ist nicht leicht. Wer sich seiner Sache nicht sicher ist, sollte vor Eingehen der Bürgschaft Wert darauf legen, dass die Kündigung vertraglich nicht ausgeschlossen ist. Sonst bleibt oft nur die Möglichkeit, abzuwarten, bis der Schuldner sein Darlehen vollständig beglichen hat.

In vielen Fällen gibt es jedoch andere juristische Möglichkeiten. So kann eine Bürgschaft aus folgenden Gründen wirkungslos werden:

Nichtigkeit wegen finanzieller Überforderung.

Wenn Bürgschaftshöhe und finanzielle Leistungsfähigkeit des Bürgens in einem starken Missverhältnis zueinander stehen, sind Bürgschaften sittenwidrig und somit nicht gültig. Ein Bürge gilt dann als überfordert, wenn er die Zinsen, die im Vertrag festgelegt worden sind, nicht aus seinem pfändbaren Einkommen begleichen kann und sein Vermögen für eine Tilgung nicht ausreicht. Hat ein Bürge beispielsweise eine unbelastete Immobilie, müsste er diese verkaufen, um die Bürgschaft zu erfüllen.

Wirtschaftliche Sinnlosigkeit

Viele Kreditinstitute wollen mit Bürgschaften Vermögensschiebung vorbeugen. Deswegen sind gerade Ehepartner für Banken beliebte Bürgen. Liegt kein konkreter Grund vor, der diese Annahme im individuellen Fall rechtfertigen würde, ist eine Bürgschaft ebenfalls sittenwidrig. Vor allem, wenn die Bürgschaft mit Null bewertet wird und somit für den Kreditnehmer keine Vorteile besitzt, ist sie unzulässig.

Emotionale Abhängigkeit

Bei nahestehenden Verwandten wie Ehepartner, Eltern oder Kinder liegt häufig eine emotionale Abhängigkeit vor, die einen fremdbestimmten Willensbeschluss zur Folge hat. Ist dies der Fall, ist die Bürgschaft ebenfalls als sittenwidrig anzusehen.

Globalbürgschaften

Bürgschaften für zukünftige finanzielle Risiken sind ebenfalls nicht gültig. In der Bürgschaftsvereinbarung muss der Gesamtbetrag vermerkt sein, damit der Vertrag gültig ist. Ausnahme sind allerdings anfallende Zinsen durch Zahlungsverzug des Schuldners.

Mangelnde Aufklärung

In manchen Fällen werden die Bürgen nicht ausreichend über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt und die Bürgschaft als reine Formalität verkauft. Wenn dies der Fall ist, kann der Bürge die Bürgschaftsvereinbarung ebenfalls als sittenwidrig für ungültig erklären lassen.

Belehrt das Kreditinstitut den Bürgen nicht über sein Widerrufsrecht, ist die Bürgschaft ebenfalls nicht gültig.

Aus diesen Gründen ist es immer sinnvoll, beim Abschließen der Bürgschaft einen möglichst unabhängigen Zeugen dabei zu haben. Er kann vor Gericht bestätigen, dass der Bürge nicht ausreichend aufgeklärt wurde. Zur Not reicht hierfür jedoch der Kreditnehmer selbst aus.

Wenn ein Bürge das Gefühl hat, dass bei seiner Bürgschaft Sittenwidrigkeit vorliegt, so sollte er sich von seinem Anwalt beraten lassen. Er kann einschätzen, ob es sinnvoll ist, die Bürgschaft anzugreifen. Bei diesem Schritt sollte jedoch auch immer der Kreditnehmer berücksichtigt werden, da die Nichtigkeit der Bürgschaft für ihn weitgreifende finanzielle Folgen haben kann.